Mapping the Words. Experimental Visualizations of Translation Structures between Ancient Greek and Classical Arabic

Talk: Torsten Roeder (Julius Maximilian University of Würzburg) and Yury Arzhanov (Ruhr University Bochum), “Mapping the Words. Experimental Visualizations of Translation Structures between Ancient Greek and Classical Arabic”.

Permalink: http://hdl.handle.net/11858/00-1780-0000-0029-C04E-B

Date: Tuesday, 19 January 2016

Time: starting at 17:00 c.t. (i.e. 17:15)

Venue: TOPOI Building Dahlem, Hittorfstraße 18 D-14195 Berlin (map)

Abstract

Das Feld der Linguistik ist in den Digital Humanities seit dessen Anfängen von großer Bedeutung. Ob die abstrakten Strukturen der Informationstechnik den Sprachstrukturen besonders leicht nahe kamen, ob die Datenmengen die Verwendung von Computern interessant machten, oder ob hier noch ganz andere Faktoren im Spiel waren, darf eine offene Frage bleiben. Als ein Ertrag der Computerlinguistik stellte sich in jedem Falle heraus, dass das Sammeln von Daten nicht nur mit dem Ziel, ein elektronisches Nachschlagewerk zu erhalten, verfolgt werden könnte, sondern dass durch systematische Weiterverarbeitung und Darstellung der Daten bestimmte, meist quantitative, aber auch strukturorientierte Fragen gestellt werden könnten, deren Ergebnisse dem Forscher Hinweise auf bislang nicht erkannte Phänomene geben könnten.[1]

Während monolinguale Lexika sehr zahlreich und divers aufgestellt sind, füllen die bilingualen Lexika derzeit noch eine Lücke. Dabei konnten Übersetzungsbewegungen stets Impulse für Sprachentwicklung liefern und sind insofern für Sprachgeschichten und infolge dessen auch für aktuelle Sprachstrukturen möglicherweise von großer Bedeutung. Das Beispiel dafür sollen in diesem Paper die arabischen Übersetzungen altgriechischer Texte sein, welche im Raum von Bagdad während einer bedeutenden Blütezeit arabischer Sprache und Kultur im 9.–11. Jh. n. Chr. angefertigt wurden. Die Erforschung dieser Periode wurde im Projekt „Glossarium Graeco-Arabicum“ unternommen, welches zu diesem Zweck unter anderem eine Datensammlung von Übersetzungen auf Wort- und Kontextebene angefertigt hat.[2]

Diese Datenbank bestand anfangs noch aus handgeschriebenen Karteikarten, die später digitalisiert und Stück für Stück in eine Datenbank übertragen wurden.[3] Die Datensammlung hat sich seitdem von einer Datenverwaltung zu einem digitalen Lexikon weiterentwickelt und ist auf dem Wege, zu einem komplexen Forschungsinstrument weitergestaltet zu werden.[4] Mittlerweile enthält die Datenbank über 100.000 Wortpaare, die aus über 80 unterschiedlichen Quellen stammen. Quantitative und visuelle Auswertungsverfahren werden somit nicht nur immer naheliegender, sondern auch immer notwendiger, um einerseits Fragen an das Material zu stellen und andererseits über die schiere Fülle von Informationen die Übersicht zu behalten. Das vorliegende Paper möchte diese Entwicklungen beobachtend nachzeichnen und zeigen, welche Potenziale in den Daten und Datenstrukturen stecken, Impulse für die Erforschung von Übersetzungsprozessen zu generieren.

Da sich der Gegenstand räumlich auf die Gegend von Bagdad beschränkt, zielt der Titel nicht auf die geographische Dimension der Sprache, sondern vielmehr im allgemeinen Sinne für visuelle Abbildungen von Übersetzungsstrukturen. Zudem sind es weniger einzelne Wörter, sondern Paare aus griechischen und arabischen Wörtern, die das Grundelement dieser Visualisierungen bilden sollen. Entscheidend ist die Gegenüberstellung von Ausgangs- und Zielstrukturen, und dies möglichst in einer Art und Weise, die es dem Betrachter erlaubt, die Strukturen ähnlich wie auf einer Landkarte erkennen und lesen zu können.[5] Diese „Karten“ bilden dann im günstigsten Falle eine Referenz für die Sprachforschung. Wie dies aussehen könnte, soll anhand von mehreren Beispielen vorgeführt werden.

Im Vordergrund dieser Untersuchung soll zunächst die Frage stehen, wie eine Visualisierung eigentlich beschaffen sein muss, damit sie eine Forschungsfrage tatsächlich sinnvoll unterstützt. Welche Methoden der mehrdimensionalen Darstellung bieten sich überhaupt an? Ab welchem Punkt leistet eine Visualisierung mehr als das Ergebnis einer Datenbankabfrage? Haben Visualisierungen überhaupt das Potenzial, eine Referenz für die Forschung bilden zu können, oder dienen sie lediglich der vereinfachten Anschauung?

Anhand von drei Themen werden verschiedene Visualisierungen erprobt und in Wirkung und Nutzen miteinander verglichen: (1) Differenziertheit der Sprache von Texten und deren Übersetzungen, (2) Verwendung und Übertragung von Wortarten, (3) Übersetzungsvarianten

Folgende Visualisierungsmittel werden dabei einbezogen: (1) statische Anordnung: kartesische und logarithmische und Koordinatensysteme (2) dynamische Anordnung: Netzwerke, Sankey-Diagramme u. a. (3) Zusätzliche Dimenstionen: Farbe, Form, Annotation

Es soll anhand der Beispiel gezeigt werden, inwieweit die Wahl der Visualisierung das Darstellungsergebnis beeinflusst und wo die Grenzen der jeweiligen Technik liegen. Es wird deutlich gemacht, dass die Darstellungsart davon abhängen muss, welcher Aspekt oder welche Frage im Vordergrund stehen soll, und dass dieses Verfahren gegenüber einer beliebigen Anwendung von Standardvisualisierungen eine höhere Aussagekraft entfaltet. Zudem wird der Aspekt untersucht, inwieweit Visualisierungen die Lesbarkeit von Strukturen erhöhen können, wenn der Betrachter keine Fachkenntnisse besitzt (in den Beispielen des Altgriechischen und/oder des Arabischen). Dienen Visualisierungen gleichermaßen dem Fachmann und dem Laien? Zudem wird deutlich gemacht, dass Visualisierungen zwar viele Phänomene grafisch beschreiben, aber nicht erklären können; hier wäre in der Tat wieder der Fachmann gefragt. Wie muss zukünftig das Zusammenspiel zwischen Visualisierung, Dokumentation und Interpretation funktionieren?

[1]: Vgl. dazu den ausführlichen Band von Oakes/Ji 2012.
[2]: Glossarium Graeco-Arabicum, European Research Council / Ruhr-Universität Bochum / Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, http://telota.bbaw.de/glossga (08.11.2014); aktuelle Entwicklungsversion unter https://telotadev.bbaw.de/glossga (08.11.2014). Siehe dazu auch Endress/Arnzen/Arzhanov 2013; Arzhanov/Roeder 2013.
[3]: Siehe Arnzen/Arzhanov/Endress 2012.
[4]: Vortrag von Yury Arzhanov / Gerhard Endreß / Torsten Roeder; Internationaler Workshop „Plotinus East and West. The Enneads in Arabic and Latin“, Pisa, 3.–6. November 2014.
[5]: Dies wurde bereits für ein historisches Sprachkorpus des Englischen demonstriert; siehe dazu Alexander 2010.

References

Alexander 2010: Marc Alexander: The Various Forms of Civilization Arranged in Chronological Strata. Manipulating the Historical Thesaurus of the OED. In: Cunning passages, contrived corridors. Unexpected Essays in the History of Lexicography, hrsg. von M. Adams, Monza: Polimetrica, 2010.

Arzhanov/Roeder 2013: The Glossarium GraecoArabicum. Linguistic Research and Database Design in Polyalphabetic Environments, Vortrag im Digital Classicists Berlin Seminar, 19. November 2013, http://hdl.handle.net/11858/00-1780-0000-0022-D548-B (Permalink).

Arnzen/Arzhanov/Endress 2012: Rüdiger Arnzen; Yury Arzhanov; Gerhard Endress: Griechische Wissenschaft in arabischer Sprache. In: RUBIN Wissenschaftsmagazin, Frühjahr 2012, S.14–21, http://rubin.rub.de/de/griechische-wissenschaft-arabischer-sprache (10.11.2014).

Endress/Arnzen/Arzhanov 2013: Gerhard Endress; Rüdiger Arnzen; Yury Arzhanov: Griechische Wissenschaft in arabischer Sprache. Ein griechisch-arabisches Fachwörterbuch der internationalen Wissensgesellschaft im klassischen Islam. In: Studio graeco-arabica 3 (2013), S. 143–156.

Leydesdorff/Welbers 2011: Loet Leydesdorff; Kasper Welbers: The semantic mapping of words and co-words in contexts. In: Journal of Informetrics, Juli 2011 (Volume 5, Issue 3), S. 469–475.

Oakes/Ji 2012: Michael P. Oakes; Meng Ji (Hg.): Quantitative Methods in Corpus-Based Translation Studies. A practical guide to descriptive translation research (= Studies in Corpus Linguistics 51), Amsterdam/Philadelphia: John Benjamins, 2012.

Shneiderman/Plaisant 2009: Ben Shneiderman; Catherine Plaisant: Treemaps for space-constrained visualization of hierarchies, 2009–2014, http://www.cs.umd.edu/hcil/treemap-history/index.shtml (10.11.2014).